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Berufliche Unstimmigkeit – ich habe nicht mehr hinter dem gestanden, was ich verkaufen sollte

Am 6.11.2024 habe ich gekündigt.

Es war ein Mittwoch Nachmittag.


Mein damaliger Chef war überrascht.

„Also doch“, sagte er.


Dabei hatte ich fast ein Jahr vorher schon ein sehr ehrliches Gespräch mit ihm und der Abteilungsleiterin geführt. Im Januar 2024 hatte ich all meinen Mut zusammengenommen und offen angesprochen, dass ich unzufrieden war und mich beruflich verändern wollte.


Nicht, weil alles schlimm war.

Eigentlich war vieles „in Ordnung“.


Und genau das machte es so schwierig.


Ich konnte damals noch nicht genau benennen, was mir fehlte. Aber ich spürte sehr deutlich, dass etwas nicht mehr stimmig war. Dass ich mich innerlich immer weiter von dem entfernte, was mir eigentlich wichtig ist.


Nach dem Gespräch fühlte ich mich zunächst erleichtert.

Ich hatte ein Stück weit das Gefühl, die Message war angekommen. Man signalisierte mir Unterstützung. Ich solle mich doch einmal umschauen — schließlich saß ich im Recruiting „an der Quelle“.


Aber es passierte nichts. Ich fand nichts und man sprach auch nicht mehr mit mir darüber. Außer Small Talk zu meinem 10 Jährigen Jubiläum Ende Januar habe ich nie wieder mit meiner damaligen Abteilungsleiterin gesprochen.


Die anfängliche Hoffnung verschwand also langsam wieder im Alltag. Ich funktionierte weiter. Ging meiner Arbeit nach. So wie man das eben macht. Nach außen vermutlich ganz normal.


Innen fühlte es sich anders an.

Berufliche Unstimmigkeit in Perfektion.


Ich war müde. Dauererschöpft. Mein Körper wurde immer lauter. Ich wurde krank, konnte irgendwann nicht mehr richtig schlafen und fühlte mich zunehmend fremd an meinem eigenen Arbeitsplatz.


Wie ein Alien.


Nicht falsch im Sinne von „schlechter Mensch“.

Eher wie jemand, der plötzlich nicht mehr in die gewohnte Umgebung passt.


Das Verrückte ist: Von außen betrachtet gab es keinen Grund zu gehen. Keine Katastrophe. Keine Eskalation. Keine offensichtlichen Konflikte. Top-Arbeitgeber. Mega Komfortzone.


Es gab Sicherheit. Einen guten Lebenslauf. Einen festen Rahmen. Menschen, die gerne mit mir gearbeitet haben.


Und trotzdem spürte ich immer stärker, dass ich innerlich längst weg war.


Ich beantragte einen Monat Sabbatical. Es liefen nochmal Gespräche über mögliche Veränderungen. Ohne Ergebnis.


Ich versuchte vernünftig zu bleiben. Wollte die Sicherheit nicht verlieren. Wollte nichts überstürzen.


Aber ich merkte immer klarer : Ich stand nicht mehr hinter dem, was ich verkaufen sollte. Der Abstand zwischen dem, was auf dem Plakat stand, und dem, was ich, Denise, selbst erlebt habe, wurde zu groß.


Ich fühlte mich allein.

Nicht von heute auf morgen.

Aber für mich real.


Ich arbeitete seit vielen Jahren im Recruiting. Mein Job war es Menschen für Unternehmen zu begeistern.

Ich habe mit Menschen über Perspektiven gesprochen. Über Entwicklungsmöglichkeiten. Über Kultur, Werte und Zusammenarbeit.


Und vieles davon habe ich ehrlich gemeint.

Manche Sachen davon hätte ich selbst gerne erlebt.


Wirklich.


Heute bin ich dankbar für ALLE Erfahrungen, die ich machen durfte. Auch für die Gespräche, die NICHT stattgefunden haben.


Ich empfehle die Unternehmen, in denen ich gearbeitet habe, weiterhin — allerdings nicht jedem.


Denn genau das ist der Punkt:

Nicht jedes Umfeld passt zu jedem Menschen.


Manche kommen mit bestimmten Strukturen wunderbar zurecht. Andere spüren früher oder später, wenn etwas nicht mehr stimmig ist.


Und gerade hochsensible Menschen, wie ich, nehmen Spannungen oft lange wahr, bevor offen darüber gesprochen wird.


Nicht, weil sie schwach sind. Sondern weil sie feine Zwischentöne wahrnehmen, was für mich im Recruiting ein Geschenk war.


Weil sie merken, wenn Worte und Realität auseinanderdriften.

Wenn Anpassung wichtiger wird als Ehrlichkeit.

Wenn Menschen funktionieren, obwohl sie innerlich etwas ganz anderes brauchen.


Ich glaube heute sogar, dass genau diese Menschen für Unternehmen unglaublich wertvoll sein können — wenn man bereit ist hinzuschauen und bereit ist diese Menschen ernst zu nehmen.


Nicht als Problem.

Sondern als Frühindikator dafür, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.


Für mich persönlich wurde mein innerer Konflikt irgendwann zu groß und ich war bereit für ein Leben, das wieder mir selbst entspricht.


Als ich meine Kündigung schließlich offiziell aussprach, fühlte sich alles gleichzeitig surreal und unglaublich klar an. Ich lachte, weinte, starrte einfach nur vor mich hin, schüttelte den Kopf und nickte zugleich.

Ich konnte selbst kaum glauben, dass ich diesen Schritt wirklich gegangen war. Und ich war sehr stolz auf mich, weil ich wusste, dass ich mich nicht länger unter Wert verkaufen musste.


Eine enorme Last fiel von mir ab.


Als andere später zu mir sagten: „Du bist aber mutig“, spürte ich genau, wie unterschiedlich das gemeint war. Nicht wenige haben gedacht "Wie kann man denn so bescheuert sein und diese Komfortzone verlassen...".


Aber heute weiß ich schnell, wenn etwas nicht mehr zu mir passt.

Und wenn Menschen sich selbst verlieren, obwohl nach außen alles erfolgreich aussieht.


Denn genau das ist mir passiert.


Das hier ist meine persönliche Geschichte.

Meine Erfahrung. Mein Erleben. Keine Anklage an ein Unternehmen.


Ich bin davon überzeugt, dass es Zeit ist, ehrlicher darüber zu sprechen, was Menschen in ihrem Arbeitsalltag tatsächlich erleben — auch dann, wenn nach außen offiziell alles passt.


Denn nicht jede Erschöpfung entsteht durch zu viel Arbeit.

Manche entsteht, wenn man zu lange gegen sich selbst lebt.


Und deshalb möchte ich Mut machen, ehrlich hinzuschauen. Nicht sofort alles zu bewerten. Nicht sofort Lösungen finden zu müssen. Und nein, man muss auch nicht direkt kündigen.


Aber sich selbst Raum zu geben.

Und ich wünsche mir, dass auch Unternehmen anfangen ihre Mitarbeitenden ernst zu nehmen.


Wenn sich Unstimmigkeit über Monate oder Jahre zeigt, hat das oft einen Grund, der wahrgenommen werden will.


Man muss nicht sofort wissen, wie es weitergeht.


Aber man darf anfangen, sich selbst wieder zuzuhören.


Herzlichst,

Denise

 
 
 

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